Ernährung während der Rehabilitation

Lucky Togu

Ernährung während der Rehabilitation – wie du deinen Hund von innen unterstützen kannst

Nach einer Operation, Verletzung oder bei Erkrankungen des Bewegungsapparates denken wir bei Rehabilitation meistens zuerst an Physiotherapie: gezielte Übungen, Muskelaufbau, Koordination und eine schrittweise Rückkehr zur normalen Belastung.

Doch auch die Ernährung kann während dieser Zeit eine wichtige Rolle spielen.

Denn während wir in der Physiotherapie von außen daran arbeiten, Beweglichkeit, Kraft und Funktion wiederherzustellen benötigt der Körper gleichzeitig ausreichend Energie und Nährstoffe, um Muskulatur zu erhalten, Gewebe zu versorgen und die Regeneration zu unterstützen.

Warum verändert sich der Nährstoffbedarf während der Reha?

Viele Hunde bewegen sich nach einer Operation oder Verletzung zunächst deutlich weniger. Dadurch kann ihr Energieverbrauch sinken. Gleichzeitig laufen im Körper Reparatur- und Heilungsprozesse ab.

Genau hier entsteht eine Herausforderung: Bekommt der Hund dauerhaft mehr Energie, als er benötigt, kann er an Körperfett zunehmen. Wird die Futtermenge dagegen einfach stark reduziert, sinkt gleichzeitig die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen.
Das Ziel sollte deshalb nicht einfach lauten „weniger füttern“, sondern die Ernährung an die aktuelle Situation des Hundes anzupassen.

Besonders wichtig sind dabei:

  • Erhalt der Muskulatur

  • bedarfsgerechte Energiezufuhr

  • Vermeidung von Übergewicht

  • ausreichende Versorgung mit hochwertigem Protein

  • Versorgung mit essenziellen Fettsäuren und Mikronährstoffen

Muskulatur erhalten – Protein spielt eine wichtige Rolle

Eine der größten Herausforderungen während längerer Ruhephasen ist der Verlust von Muskelmasse. Wird ein Bein aufgrund von Schmerzen, einer Operation oder einer Verletzung weniger belastet kann die Muskulatur entsprechend zurückgehen.
Für die Rehabilitation ist das ungünstig: Schließlich versuchen wir später durch gezieltes Training genau diese Muskulatur wieder aufzubauen.
Protein liefert die Aminosäuren, die der Körper unter anderem für den Aufbau und Erhalt von Körpergewebe benötigt. Untersuchungen an Hunden zeigen, dass sowohl die Proteinmenge als auch die Qualität beziehungsweise Aminosäurezusammensetzung der Proteinquelle Einfluss auf den Erhalt fettfreier Körpermasse haben können. In einer Studie an erwachsenen Hunden war eine proteinärmere Ernährung mit ungünstigeren Veränderungen der Körperzusammensetzung verbunden.
Das bedeutet nicht, dass während jeder Rehabilitation möglichst große Mengen Protein ergänzt werden sollten. Entscheidend ist vielmehr eine bedarfsgerechte Versorgung mit hochwertigem Protein und essenziellen Aminosäuren.

Gerade bei längeren Rehabilitationsphasen lohnt es sich deshalb, nicht nur das Körpergewicht, sondern auch die Muskulatur des Hundes im Blick zu behalten.

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Körpergewicht: Jedes zusätzliche Kilo muss bewegt werden

Während der Rehabilitation ist das Körpergewicht besonders relevant. Ein Hund, der sich plötzlich weniger bewegt, benötigt möglicherweise weniger Energie als zuvor.

Eine Gewichtszunahme kann insbesondere bei orthopädischen Erkrankungen problematisch sein, da zusätzliche Körpermasse auch bewegt und von den Gelenken getragen werden muss.
Wie wichtig das Gewichtsmanagement sein kann, zeigen Untersuchungen an übergewichtigen Hunden mit Arthrose. Bereits eine moderate Gewichtsreduktion war in einer Studie mit einer messbaren Verbesserung der Lahmheit verbunden.
Eine weitere Untersuchung kombinierte eine kalorienreduzierte Ernährung mit Physiotherapie bei übergewichtigen Hunden mit Arthrose. Nach sechs Monaten verbesserten sich Mobilität und Parameter der Gangbildanalyse; besonders gute Ergebnisse wurden bei der Kombination aus Gewichtsmanagement und intensiver Physiotherapie beobachtet.

Gewichtsmanagement und Rehabilitation gehören deshalb gerade bei orthopädischen Patienten eng zusammen.

Omega-3-Fettsäuren: interessant für Hunde mit Gelenkproblemen

Besonders gut untersucht sind bei Hunden die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure), beispielsweise aus Fischöl.

Mehrere kontrollierte Studien haben ihren Einsatz bei Hunden mit Osteoarthritis untersucht. Dabei wurden unter anderem Verbesserungen verschiedener klinischer Parameter wie Belastung der betroffenen Gliedmaßen, Lahmheit oder Beschwerden beobachtet.

Für die Rehabilitation ist eine Untersuchung besonders interessant:
48 Hunde wurden nach einer TPLO-Operation aufgrund einer Erkrankung des vorderen Kreuzbandes untersucht. Die Tiere erhielten entweder ein normales Erhaltungsfutter oder eine mit Protein und Omega-3-Fettsäuren angereicherte Ernährung – jeweils mit oder ohne zusätzliche physiotherapeutische Rehabilitation.

Sowohl die angepasste Ernährung als auch die Rehabilitation waren mit Verbesserungen verschiedener funktioneller beziehungsweise klinischer Parameter verbunden. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass sowohl die Ernährung als auch die körperliche Rehabilitation während der ersten sechs Monate nach der Operation mit Verbesserungen bestimmter klinischer Ergebnisse verbunden waren.
In einer weiteren Auswertung derselben Hunde wurden außerdem Entzündungsmarker in der Gelenkflüssigkeit untersucht. Die mit Omega-3 und Protein angereichert gefütterten Hunde zeigten niedrigere Konzentrationen von Prostaglandin E2 als die Kontrollgruppe.

Ernährung und Physiotherapie sollten zusammengedacht werden

Rehabilitation bedeutet mehr als einzelne Übungen.
Ein Hund kann noch so gut trainiert werden – wenn er während einer längeren Ruhephase deutlich zunimmt oder Muskulatur verliert, erschwert das den Weg zurück zur normalen Belastbarkeit.
Umgekehrt kann eine angepasste Ernährung allein keine gezielte Bewegungstherapie ersetzen.

Optimal ist deshalb ein gemeinsamer Ansatz:

Bewegung + gezielter Muskelaufbau + passendes Körpergewicht + bedarfsgerechte Ernährung.

Wie genau die Ernährung aussehen sollte, hängt dabei immer vom einzelnen Hund ab. Alter, Erkrankung, Aktivitätsniveau, Körpergewicht, Muskelzustand, Medikamente und die jeweilige Phase der Rehabilitation spielen eine Rolle.
Deshalb kann die richtige Ernährung während der Rehabilitation ganz unterschiedlich aussehen – vom einfachen Anpassen der täglichen Futtermenge bis hin zu einer gezielten Auswahl bestimmter Nährstoffe.

Fazit

Die Ernährung wird in der Rehabilitation häufig unterschätzt. Dabei können Körpergewicht, Muskelmasse und Nährstoffversorgung erheblichen Einfluss darauf haben, unter welchen Voraussetzungen ein Hund seine Rehabilitation durchläuft.
Besonders wichtig sind eine bedarfsgerechte Energiezufuhr, eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Protein und der Erhalt eines gesunden Körpergewichts. Bei bestimmten orthopädischen Erkrankungen können außerdem Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA eine sinnvolle Ergänzung des Gesamtkonzeptes darstellen. 

Physiotherapie arbeitet an Bewegung, Kraft und Funktion – die Ernährung schafft einen Teil der Voraussetzungen dafür.

Denn erfolgreiche Rehabilitation beginnt nicht erst bei der nächsten Übungseinheit, sondern auch im Futternapf.

Häufige gestellte Fragen - FAQ

1. Braucht mein Hund während der Rehabilitation weniger Futter?
Das hängt vom Aktivitätsniveau ab. Bewegt sich dein Hund nach einer Operation oder Verletzung deutlich weniger, kann auch sein Energiebedarf sinken. Die Futtermenge sollte jedoch nicht pauschal stark reduziert werden da weiterhin eine ausreichende Versorgung mit Protein, Vitaminen und Mineralstoffen wichtig ist.

2. Warum ist Protein während der Rehabilitation wichtig?
Protein liefert essenzielle Aminosäuren, die der Körper unter anderem zum Erhalt und Aufbau von Muskelgewebe benötigt. Gerade bei längeren Ruhephasen kann der Erhalt der Muskulatur ein wichtiges Ziel der Ernährung sein.

3. Können Omega-3-Fettsäuren die Rehabilitation unterstützen?
Die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA wurden bei Hunden insbesondere im Zusammenhang mit Osteoarthritis und orthopädischer Rehabilitation untersucht. Studien zeigen positive Effekte auf verschiedene klinische und entzündungsbezogene Parameter. Sie ersetzen jedoch weder die tierärztliche Behandlung noch die Physiotherapie.

4. Wie wichtig ist das Körpergewicht während der Rehabilitation?
Sehr wichtig. Übergewicht kann den Bewegungsapparat zusätzlich belasten. Studien an Hunden mit Osteoarthritis zeigen, dass bereits eine moderate Gewichtsreduktion mit einer Verbesserung der Lahmheit beziehungsweise Mobilität verbunden sein kann.

Autorin

Dieser Beitrag wurde von Isabella Gollner, BSc, auf Basis veterinärmedizinischer Fachliteratur, ernährungswissenschaftlicher Erkenntnisse sowie der unten angeführten Referenzen erstellt. Ziel ist es, Hundehalterfundierte, verständliche und praxisnahe Informationen rund um die Magen-Darm-Gesundheit beim Hund bereitzustellen und Zusammenhänge zwischen Darmflora, Verdauung, Stoffwechsel und allgemeinem Wohlbefinden verständlich aufzubereiten.

Für die Inhalte wurden veterinärmedizinische Fachquellen, wissenschaftliche Standardwerke zur Tierernährung sowie aktuelle Erkenntnisse zur Hundegesundheit berücksichtigt. Trotz sorgfältiger Recherche ersetzt dieser Beitrag keine tierärztliche Diagnose oder individuelle Beratung.

Wissenschaftliche Quellen

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